Artikel zur Kategorie Framing


20. Mai 2019

Wie Worte wirken

Zeitweise hatten Aktivisten das Wort „Gen“ so heftig in Misskredit gebracht, dass Lebensmittelhersteller auf ihre Verpackungen „gen-frei“ schrieben, auch wenn das falsch ist, da alle natürlichen Speisen stets Gene enthalten. Fotos: herzlichen Dank an eine unserer Workshop-Teilnehmerinnen für beide Aufnahmen!

Wie wichtig die Wortwahl ist, hat Esther die Teilnehmenden ihres Workshops „Wie kommt (m)ein Thema in die Medien“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) mit geschlossenen Augen spüren lassen. Sie fragte, welche Assoziationen bei dem Wortpaar „Mülldeponie“ vs. „Entsorgungspark“ in ihren Köpfen entstehen. Während es bei der „Deponie“ stank und die Farbe braun dominierte, entstanden beim Begriff „Entsorgungspark“ Bilder mit Pflanzen und sogar ein Vogel zwitscherte. Ein weiteres der Begriffspaare im Workshop waren „Gen-manipuliert“ vs. „genetisch verändert“. Das ist wichtig, denn vor einiger Zeit hatten Aktivisten die Worte „Gene“ und „Gen-Technik“ so sehr mit negativen Bedeutungen und Begleitworten aufgeladen, dass sich ein bekannter Koch damit brüstete, in seinen Speisen seien keine Gene. Dies spiegelte sich auch auf Verpackungen natürlicher Lebensmittel wider.

21. Mai 2019

Achte auf die Wortwahl

Auch die britische Zeitung The Guardian empfiehlt jetzt ihren Journalisten und Redakteurinnen anstelle des Begriffes „Klimawandel“ (climate change) das Wort „Klimakrise“ (crisis) zu verwenden. So wird die passive Wirkung des ersten Begriffes „Wandel“ ersetzt durch einen Begriff, der die dräuende Katastrophe zeigt, schreibt Chefredakteurin Kathrine Viner (siehe: Leo Hickman auf Twitter https://twitter.com/LeoHickman/status/1129322707110236160). Exakt mit diesem Wortpaar hatte Esther in ihrem Workshop am Botanischen Garten der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) Wissenschaftler*innen im Februar veranschaulicht, wie wichtig es ist, auf die Wortwahl und die Wirkung der Worte zu achten:
Das Wort „Klimawandel“ ist zwar geeignet, wenn sich Wissenschaftler*innen miteinander austauschen. Sie vermeiden damit eine wertende Interpretation, um unvoreingenommen Phänomene analysieren zu können. Wenn sie sich dagegen an die Öffentlichkeit wenden, sollte ihnen bewusst sein, dass das Wort „Klimawandel“ als ein von allein stattfindender Prozess wahrgenommen wird und all denjenigen Argumentationshilfe leistet, die alles beim Alten belassen wollen. Dann eignet sich das Wort Klimakrise bei manchen Zielgruppen wesentlich besser.